Brauchtum

Schwäbisch-Alemannische Fastnacht ist Weltkulturerbe

 

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht wird als fest im Kirchenjahr verankerter Termin jedes Jahr um das siebte Wochenende vor Ostern in zahlreichen Gemeinden in Baden-Württemberg gefeiert. Eingebunden in den großen Kontext der historischen Fastnachtsbräuche Europas wird die südwestdeutsche Fastnacht, mundartlich „Fasnet“, mit ihrem reichen Überlieferungsbestand und ihrer Formenvielfalt von breiten Bevölkerungskreisen aktiv gepflegt. Die schwäbisch-alemannischen Brauchformen weisen zahlreiche lokale Varianten auf, folgen aber alle demselben Grundmodell: Seit dem 13. Jahrhundert als Schwellenfest am Vorabend der Osterfastenzeit nachweisbar, war die „Fast-Nacht“ zunächst ein reines Ess- und Trinkgelage zum Aufbrauchen der vom Abstinenzgebot betroffenen Nahrungsmittel, um das sich mit der Zeit immer mehr Geselligkeitsformen wie Musik, Tanz und theatralisch-mimetische Elemente anlagerten.

 

 

Zum Charakteristikum der Festivitäten wurde schließlich die Totalvermummung und Maskierung der Akteure, wie sie die Fasnet bis heute prägt. Das streng ritualisierte Brauchgeschehen, als dessen Zentralfigur sich nach und nach der Narr herauskristallisiert hat, lebt wesentlich vom Ideenreichtum und kreativen Potenzial der regionalen Volkskunst. Insbesondere die holzgeschnitzten Masken, die ältesten bis zu 250 Jahre alt, sind von herausragender Qualität. Gleiches gilt für die handbemalten Gewänder und Requisiten zahlreicher Figuren.

Den zeitlichen Auftakt der schwäbisch-alemannischen Fasnet bildet der Dreikönigstag am 6. Januar, an dem vielerorts die Narrenutensilien abgestaubt werden. Der erste Haupttag mit breiter Brauchentfaltung ist der „Schmutzige (oder: „fette“) Donnerstag“ drei Tage vor Fastnachtssonntag. Seinen Höhepunkt erreicht das Geschehen am Fastnachtsmontag und -Dienstag mit spektakulären Umzügen. In der Nacht zum Aschermittwoch endet alle Narretei: Angesichts der Vergänglichkeitsbotschaft des Aschermittwochs, wie sie im Aschenbestreuungsritus der katholischen Kirche zum Ausdruck kommt, bricht die Inszenierung der verkehrten Welt der Fastnacht mit ihrem Lärm und Schellengeklingel in sich zusammen. Das Wissen um die umfassende Brauchausübung gehört zum kulturellen Gedächtnis der Region. Besonders älteren Menschen ist nach wie vor geläufig, wie viele fastnächtliche Brauchformen, wie Rügen, Heischen und Verschwenden, und Narrenattribute, z.B. Schellen, Fuchsschwänze, Schweinsblasen und Spiegel, Zeichencharakter haben und in der Symbolwelt des Spätmittelalters wurzeln. In der fröhlichen Ausgelassenheit dieses Gemeinschaftserlebnisses scheinen die Ordnungen des Alltags außer Kraft gesetzt. In der schwäbisch-alemannische Fastnacht leben Jahrhundertealte Traditionen fort. Alljährlich zieht sie tausende Menschen aus der ganzen Welt an und stellt ein wichtiges Element lokaler, regionaler und gesamteuropäischer Identität dar.

Brauchtum in Hornberg

Am Wochenende vor der Fasnet findet das traditionelle „Schnurren“ in den Wirtschaften statt. Zu diesem Anlass werden diverse Missgeschicke der Bürger von mehreren Schnurrgruppen in Reimform glossiert.

Zur Vermittlung des Brauchtums sowie zur Erklärung der Hornberger Häser stellt die Narrenzunft im kath. Kindergarten ihre Häser vor und hält jedes Jahr eine Unterrichtsstunde an der hiesigen Grund- und Werkrealschule ab.

Am Schmutzigen Donnerstag wird die Fasnet mit dem Wecken eröffnet. Darauf folgen die Schülerbefreiung und der Kindergartenumzug, bei denen die Kinder aus den jeweiligen Räumlichkeiten „befreit“ werden um am Fasnachtstreiben teilnehmen zu können. An den Teufelssuppenverkauf schließt sich ein Höhepunkt der Hornberger Fasnet – der Rathaussturm- an. Hier handelt es sich nicht einfach nur um einen trivialen Überfall auf das  Rathaus, sondern es wird ein themenorientiertes Fasnetsspiel aufgeführt bei dem häufig der Bürgermeister und die Stadtverwaltung aufgezogen werden. Es ist selbstredend, dass Bürgermeister und Stadtverwaltung den Narren weichen und die Macht in Form des Rathausschlüssels übergeben müssen.
Um 18.00 Uhr beginnt das „Hanselesuchen“ der Hornberger Kinder. Das „Hansele“ ist eine Puppe, welche kurz vor dem Umzug  von den Narrenzunftverantwortlichen  versteckt wird. Die Kinder laufen alle hinter dem Hanselwagen eine vorher von den Zunftverantwortlichen festgelegte Umzugsstrecke mit. An bestimmten Stellen wird angehalten und die Kinder müssen dann das Hansele suchen. Das Kind oder die Kinder welche es gefunden haben, erhalten eine Jahreskarte für den Besuch des Hornberger Schwimmbads, Für alle Kinder gibt es einen Brezelsegen.

Am Abend des Fasnetssamstag findet mit Gastzünften ein schaurig schöner Fackelumzug durch das verdunkelte Städtchen statt. Nach dem Umzug wird der traditionelle Hörnerball in der Stadthalle gefeiert.

Der Fasnetssonntag ist in Hornberg der „Fasnetshaupttag“. An diesem Tag wird morgens eine Narrenmese in der katholischen Kirche „St. Johannes der Täufer“ gehalten.

Im Anschluss findet im Rathaus der Zunftmeisterempfang statt. An diesen schließt sich traditionell der große Umzug und am Abend der Zunftball in der Stadthalle an. Das Bemerkenswerte dieses Balls ist, dass er ausschließlich von Zunftmitgliedern (ca. 100 Personen) organisiert und gestaltet wird.

Am Dienstag findet dann der Kinderumzug, der im Schofferpark beim Stephanushaus startet, statt. Der närrische Lindwurm der musikalisch von der Stadtkapelle begleitet wird, schlängelt sich durch Hornbergs Hauptstraße, die von etlichen Umzugsbesuchern gesäumt ist, zur Stadthalle, wo man dann gemeinsam den Kinderball feiert.

Den Ausklang der Fasnet bildet am Abend ein Fackelumzug der mit der Verbrennung des am Schmutzigen Donnerstag gefundenen Hansele endet. Von da an heißt es aber dann auch schon wieder: „s‘goht degege!“

Kommentare sind geschlossen